Kustom Life Magazine #15

Kustom Life Magazine #15

Erscheint am 30.01.2018
1931 Opel Hot Rod
1964 Triumph Moon Machine
Howard Gribble Lowrider History

News

KUSTOM LIFE MAGAZINE #14

Lebe lieber ungewöhnlich

Wer kennt es nicht: Klischees bestimmen oft die Denkweise der Menschen. Eingetrampelte Pfade, die einst als innovativ galten, scheinen heute das einzig Wahre zu sein. Dabei mangelt es vielen schlicht und ergreifend am eigenen Vorstellungsvermögen, um sich bewusst in eine andere Richtung zu bewegen. Andere wiederum sind einfach zu bequem. Herdentrieb als Massenphänomen, Gleichschaltung durch Gruppenzwang – man kann es nennen, wie man will, es geschieht nur allzu oft direkt um uns herum. Nun möchte man ja meinen, dies hat mit uns und unserer Szene herzlich wenig zu tun, doch weit gefehlt: Auch hier ist dieses Phänomen weit verbreitet. Irgendwie etabliert sich ein Modell in einer Szene und bis man sich versieht, führt kein Weg mehr daran vorbei. Am besten zu beobachten ist dies in der heutigen Lowriderszene, in der nur sehr wenige Modelle, allen voran der allmächtige Chevrolet Impala, den Ton angeben. Die Hot-Rod-Szene besteht dagegen zu 90 Prozent aus Fords verschiedener Baujahre, selten mischt sich mal ein Chevy oder Plymouth dazwischen, obwohl diese Fahrzeuge damals auch in sehr hohen Stückzahlen produziert wurden und damit auch lange in großem Ausmaß verfügbar gewesen wären. Die Kustomszene stellt sich seit jeher etwas breiter auf, dennoch ist hier der Mercury als der Gottvater der Leadsleds zu nennen. Auch in der Welt außerhalb dieser Szenen haben sich gewisse Modelle in die Köpfe der Leute eingebrannt: Ein Muscle Car ist in der Allgemeinheit ganz klar ein Dodge Charger, ein Amischlitten ein pinker 59er-Cadillac mit Heckflossen, so wie ihn Elvis (eben nicht) gefahren hat. Ganz klarer Fall. 

Bestimmten Modellen werden hier oft unbewusst Masken aufgezwängt, die durch die Jahrzehnte geprägt nur noch sehr schwer abzulegen sind: Ein 32er-Ford ist ein Hot Rod, ein 49er-Mercury ein Kustom, ein 64er-Chevy-Impala ein Lowrider und ein 68er-Charger ein Muscle Car. Punkt. Doch was wäre, wenn man diese Welt einmal auf den Kopf stellen würde? Oder wenn man einfach mal wagt, in anderen Bahnen zu denken? Was, wenn man ein typisches Muscle Car zum klassischen Lowrider umbaut? Diese Frage habe ich mir persönlich gestellt und ein paar Nachforschungen angestellt – und ich kann sagen, nicht immer stößt man dabei auf Verständnis, aber doch auch auf erstaunlich viel Zuspruch. Meine konkrete Frage war, warum MOPAR Coupés aus den späten 60ern so gut wie nie zu Lowridern umgebaut wurden. Das besondere Augenmerk fiel hierbei auf den Charger: Midsize Coupé, in großen Stückzahlen gebaut, günstiger Preis (damals!). Das sind eigentlich gute Voraussetzungen, um auch den einen oder anderen Low & Slow zu begeistern, möchte man meinen. Oder hatten die sportlichen Coupés aus dem Hause Dodge auch damals schon den Redneck-Status weg und waren für die Chicanos einfach nicht cool genug? An der Sportlichkeit des Modells an sich dürfte es nicht gelegen haben, denn schließlich wurden in den 70er-Jahren auch Haufenweise Chevy Camaros und teils auch Ford Mustangs zu sehr coolen Lowridern umgebaut – auch das kann sich heute keiner mehr so recht vorstellen. Ich hab solche Autos allerdings bereits live gesehen und muss zugeben: Es geht und zwar sehr gut! 

Interessanterweise und auch logischerweise waren die Ursprünge der Szene, die wir heute kennen, noch frei von jeglichen Konventionen, denn man betrat schließlich mit so gut wie allem, was man machte, Neuland. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass man auf alten Car-Show-Fotos immer wieder kuriose Fahrzeuge auftauchen sieht, mit denen man nicht wirklich rechnet. Darunter fand sich unter anderem auch eben ein Charger als Lowrider. Heutzutage gestaltet sich dies natürlich wesentlich schwieriger: Zum einen haben sich die Vorstellungen bereits verfestigt, zum anderen sind die Fahrzeuge nicht mehr einfach günstig an jeder Ecke zu bekommen, will man es mal auszuprobieren. Viele Oldtimer werden heute als Wertanlagen gesehen, an die man sich nur mit milden Umbauten herantraut, um den Wert nicht zu mindern. Ein solcher Umbau eines Genre-Exoten ist heute also noch ein größeres Wagnis als damals. Damals hätte höchstens passieren können, dass man sich dem Gruppenzwang entzogen hat und damit Erfolg haben oder eben scheitern würde. Aber noch gebe ich die Hoffnung nicht auf, denn es lebe die Vielfalt und es lebe die Freude an eigenen Visionen.

In diesem Sinne: Reißt die Schranken ein und baut eure Träume!

Michael Schmidbauer

Chefredakteur Kustom Life Magazine

Inhalt Kustom Life Magazine Ausgabe 14:

  • Kustom Life Run 2017 Part 2
  • Kandy Devil - 1953 Chevrolet 210 by Tristan Kustomizing
  • The Knuckle - 1946 Harley Davidson FL
  • The Custom Stage - Jubiläumsshow der Customizers East
  • Hemi Rockerhead - 1926 Ford Model T Roadster
  • Choppertown Sideshow 2017
  • Handcraft Choppers
  • Garagenzeit
  • Sleazy Rider
  • 1956 Harley Davidson FL
  • The Flat Flaker
  • 1966 Chevrolet C10 Pick-up
  • California Blue - 1950 Triumph Speed Twin
  • Hindenberg Speedway 2017 - Pre '59 Automobiles and Motorcycles Sportsman's & Amateur Races
  • Kolumne Uwe Ehinger: No More Ideas
     

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