Kustom Life Magazine #15

Kustom Life Magazine #15

Erscheint am 30.01.2018
1931 Opel Hot Rod
1964 Triumph Moon Machine
Howard Gribble Lowrider History

News

KUSTOM LIFE MAGAZINE #12

Kustom-Kommerz?

Wer in den letzten Monaten den Stimmen in der Szene gelauscht hat, wird es sicherlich vernommen haben, dass der Ausverkauf der Kustom-Szene an den Pranger gestellt wurde. Veranstaltungen würden immer mehr zur Kirmes umgewandelt und hätten nichts mehr mit der „echten“ Sache zu tun. „Astronomische“ Eintrittspreise, viel zu viele Händler und überhaupt das ganze Besuchervolk, das nicht mal selbst ein solches Fahrzeug besitzt – ob nun mit zwei oder vier Rädern, ist dabei herzlich egal – seien ein Zeichen dafür. Hauptsache es wird wieder alles wie „vorher“ und überhaupt ist das ja der ewige springende Punkt, denn „früher war alles besser“.

Tja, was soll man dazu sagen, liebe Leute. Im Grunde kann ich hierüber nur sehr, sehr traurig den Kopf schütteln. Denn der Großteil der Aussagen und Argumente sind schon etwas sehr kurz gedacht und weit hergeholt. Sieht man sich die Szene im deutschsprachigen Raum vom ach so besseren „Früher“ mal genau an, wird man feststellen, dass es da lange Zeit erstmal gar nichts gab. Rein ganz und gar nichts. Keine Veranstaltung, so gut wie keine traditionellen Hot Rods, Kustoms und Lowrider, und auch die authentischen und heute so hoch im Kurs stehenden Chopper musste man erstmal mit der Lupe suchen. Erst Anfang der 2000er ging es so langsam los, dass sich Pioniere auf dem Gebiet daran machten, auch hierzulande passende Veranstaltungen zu organisieren. Sie waren meist von den Skandinaviern inspiriert, die uns da traditionell voraus sind. Im Internet formierten sich Foren, die die weit verstreut wohnenden Einzelkämpfer auf dem Gebiet zusammenführten und ihnen eine Plattform für den Austausch boten. Denn der Nächste, der demselben Laster frönte, wohnte sicher nicht unter 100 Kilometer entfernt. Erste Szenemagazine erschienen und sogar ein paar Händler etablierten sich, die Teile und Autos besorgten, die jenseits von den bis dahin vorherrschenden normalen US-Cars waren. Künstler begannen sich auf den Treffen einzufinden, um ihr Pinstripingtalent unter Beweis zu stellen und oft auch um zum ersten Mal am echten Objekt zu arbeiten. Und es etablierten sich sogar ein paar kleine Speedshops, die sich auf den Umbau und Aufbau spezialisierten. Dies alles wurde auf den ersten Szenetreffen zusammengeführt, Treffen wie das Headbanging in Finsterwalde oder die heutige Kustom Kulture Forever. Ohne diese inzwischen großen Treffen gäbe es große Teile der heutigen Szene schlicht und ergreifend gar nicht. Wie viele, die heute darüber lästern, dass so viele Besucher auf einer Show sind, wurden selbst von der Kustom-Szene infiziert, als sie Besucher auf eben einer der frühen Shows waren? Na? 

Und ja: Ein solches Treffen bedeutet immer auch Kommerz, das liegt in der Natur der Dinge. Es gibt Leute, die viel, viel Zeit, Enthusiasmus, Arbeit und Geld in den Aufbau solcher Shows gesteckt haben und dabei auch das finanzielle Risiko tragen. Logisch muss das auch wieder reinkommen und ja, es soll dabei auch etwas verdient werden. Denn nur eine Szene, von der auch eine gewisse Schicht leben kann, wird sich auf Dauer weiterentwickeln. Klar wird jetzt hier wieder auf die „gute alte Zeit“ gepocht, aber wisst ihr was? Das war früher nicht anders als heute. Wäre dies nicht so gewesen, würden uns allen Namen wie George Barris, Larry Watson, Dean Jeffries, Kenneth „von Dutch“ Howard und Gene Winfield nichts sagen. Denn sie hätten niemals die Gelegenheit gehabt, die wunderschöne Ausdrucksform der umgebauten Fahrzeuge, sprich der Kustoms, wie wir sie lieben, zu dem zu entwickeln, was wir heute kennen. Denn nichts anderes als eine Kommerzialisierung finanzierte diese Leute, damit sie weitermachen konnten mit dem, was sie liebten. Filmstars und auch deren Studios gaben Fahrzeuge in Auftrag, die Söhne vermögender Bürger brachten ihre neu gekauften Fahrzeuge sofort in den Speedshop, um ihn umbauen zu lassen, damit der Pokal auf der nächsten Car-Show sicher war. Wären diese Geldgeber nicht gewesen, wären die meisten der hier genannten Personen dazu verdonnert gewesen, einfachen Mechaniker-Jobs nachzugehen, und hätten sich niemals in diesem Ausmaß kreativ entfalten können. Die großen und teils heute noch existierenden Autoshows waren dabei oftmals nichts anderes als die Werbefläche der Kustom-Könige dieser Zeit. Nur wer es sich leisten konnte, war dort vertreten. 

Manchmal kommt es mir vor, als kennen viele in der heutigen Szene die Historie nicht so ganz, oder sehen sie mit verklärten Blicken, meinen gar, dass früher alles nur im Hinterhof von coolen Jungs in Jeans und Lederjacken zusammengedengelt wurde. Oft hört man Sprüche wie: „Nur, was man selbst gebaut hat, darf man fahren!“ Wenn dieser Satz auch nur ansatzweise Gültigkeit besäße, dann hätte sich diese Szene niemals so weit entwickeln können – und keiner von uns hier in Europa hätte jemals davon Kenntnis genommen. 

Ich kann euch nur immer einen Tipp mit auf den Weg geben: Fahrt hinaus in die Welt, seht euch die verschiedensten Treffen an, respektiert große Veranstaltungen genauso wie kleine Car-Club-BBQs, lasst euch inspirieren und nehmt die Scheuklappen ab. Zieht den Hut vor jedem Hinterhofschrauber, aber seht euch auch an, was die Großen der Industrie vollbringen. Und für all diejenigen, die nichts von derlei Veranstaltungen halten: Macht euer eigenes Ding, bereichert die Szene mit euren eigenen Ideen und Vorstellungen, aber verunglimpft nicht andere dafür, dass sie euch nicht genau die Veranstaltung vor die Haustüre setzen, die euren Ansprüchen zu 100 Prozent genügen. Werdet selber Macher, sorgt für Vielfalt – keiner hindert euch daran.

In diesem Sinne: Tut es!

Michael Schmidbauer

Chefredakteur Kustom Life Magazine

Inhalt Kustom Life Magazine 12:

  • Hawaii Flat'i - 1931 Ford Model A Roadster
  • Rømø Motor Festival - Strandrennen in Dänemark
  • California über Alles - 9.Born Free Show in Silverado, CA
  • Temple Gold - Bavarian Metalflake Chopper
  • Transportation, that's all! - 1957 Ford Ranchero
  • Salon Moto - Season Opener in Neu Ulm
  • Ride, Ride, Ride - Triumph-Chopper mit Herz aus Japan
  • Mary Lou - 1955 Buick Special Riviera
  • 6th Cry Baby Car Show - Kustoms & Hot Rods in Frankreich
  • Kolumne Uwe Ehinger: Der Kopf ist der Kopf

 

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