Kustom Life Magazine #15

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Erscheint am 30.01.2018
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THE GREEN WAGON - 1961 CHEVROLET PARKWOOD

1961 – die extravaganten 50er Jahre waren de nitiv vorbei und auch was das Design amerikanischer Automobile anbelangte wa- ren die Zeichen deutlich auf mehr Zurückhaltung und Sportlichkeit gestellt. Ausladende Heckflossen fanden sich nur noch bei wenigen Herstellern und die Chromorgien, die noch 1958 die Verkaufsräume der Händler zum Blitzen brachten, vielen deutlich dezenter aus. Bill Mitchells, der seit 1959 die Designabteilung bei General Motors leistete, hinterließ eine deutliche Handschrift mit den 1961er Modellen bei Chevrolet. Immer noch weit von einem Kompaktwagen entfernt, waren die „Neuen“ doch etwas kürzer und schmaler als noch im Jahr zuvor, obwohl sie im Inneren sehr viel geräumiger wirkten. Verbreiterte Türöffnungen und das Wegfallen der „Dogleg“ genannten Ausläufer der A-Säulen, wie sie bei Panoramascheiben üblich waren, erleichterten zudem den Einstieg enorm. Chevrolet selbst warb mit dem Spruch: „The most quiet, vibration-dampened, relaxing ride you’ve ever tried!“ Hierfür sorgte der robuste X-Rahmen aus Sicherheitsstahl, aber auch eben das Innere der 61er Modelle, das ebenfalls eine massive Neugestaltung erfuhr. Deutlich weniger verspielt und sehr aufgeräumt wirkt das Armaturenbrett, welches auch 1962 noch leicht abgeändert genutzt wurde. Die Sitzbänke wurden wieder höher verbaut, dafür war die Ladekante für ein leichteres Be- und Entladen des Kofferraums niedriger angesetzt. Insgesamt entschieden sich knapp 960 000 Käufer für die Fullsize-Chevrolet-Modelle des Jahres 1961 – eine stolze Zahl, allerdings über 300 000 weniger als noch im Jahr zuvor. Allein der Absatz an Station Wagons reduzierte sich von ca. 213 000 im Jahr 1960 auf ca. 169 000 im Folgejahr.

Genau einen solchen hatte Volker „Flocki“ Stadelmann vom Flakers C.C. aus Nürnberg auf seiner Wunschliste. Ein Impala „Bubbletop“ Sportcoupé aus demselben Jahrgang befindet sich bereits seit einigen Jahren in seinem Besitz. Er hat sich wohl schlicht und ergreifend in die Form verguckt. Die ursprüngliche Suche nach einem 1959er Chevy Station Wagon erübrigte sich damit: „Irgendwie war mir der 59er auch zu rock’n’rollig. Der 61er ist einfach fett, wenn er als Kombi mit Airride schön tief am Boden fährt – eine unschlagbare Optik!“

Doch die Suche nach einem eben solchen gestaltete sich schwieriger als gedacht. Nur sehr wenige scheinen die letzten 50 Jahre überlebt zu haben. Traditionell wurden Kombis gerne als Handwerkerauto eingesetzt, später dienten sie zu Haufen den Surfern als adäquates Transportmobil – also Salzwasser und damit Rost inklusive. Doch nach zwei Jahren intensiver Suche fand er schließlich bei eBay USA das passende Fahrzeug: ein 61er Parkwood in gutem Zustand mit bereits verbauter Airride! Der Wagen wechselte bei der Auktion nicht den Besitzer, daher setzte sich Flocki direkt mit dem Verkäufer in Verbindung. Die beiden wurden sich schnell handelseinig und so machte sich der Kombi auf die dreimonatige Reise nach Rotterdam.

Endlich in Flockis Werkstatt in der Brauerei Schanzenbräu in Nürnberg City angekommen wurde der 61er im Februar 2013 für den TÜV vorbereitet. Die komplette Vorderachse musste überholt und die verbaute Airride von Ridetech verbessert werden. Die 22 Zoll Felgen wurden durch passende 14 Zoll Astro Supremes mit 175/70/R14 Skinny Whites – welche im Übrigen seit Kurzem nicht mehr produziert werden! – ersetzt. Dazu verbaute der Nürnberger eine 2,5 Zoll Auspuffanlage mit Flowmastertöpfen, die dem 327cui V8 zum nötigen satten Klang verhilft. Eine versteckt eingebaute Ste- reoanlage sorgt für die musikalische Untermalung im Innenraum. Im bereits in den USA komplett erneuerten Innenraum mussten noch die Kurbelmechanismen überholt werden – allen voran jener an der hinteren Heckscheibe. Hier fehlte der Zahnradmechanismus. Da diese Teile nicht mehr hergestellt werden und somit so gut wie nicht aufzutreiben sind, wandte sich Flocki an die Firma König Zahnräder aus Nürnberg. Diese fertigten den zölligen Mechanismus komplett neu – das Surfbrett kann also wieder stilgerecht mit heruntergekurbelter Heckscheibe eingeladen werden! Die TÜV-Prüfung bei der Firma Motune in Kleinwallstadt bestand der Chevy derart aufgefrischt ohne Probleme.

So gerüstet fährt Flocki den Parkwood beinahe täglich – der Spritverbrauch hält sich dabei dank dem gut eingestellten 600er Edelbrock Vergaser und einem TH 700 Getriebe in erfreulichen Grenzen. Gebremst und gesteuert wird der Chevy mit Scheiben- bremsen und einer Servolenkung aus dem Hause Classic Performance – durchaus alltagstauglich!

Um die Gesamtoptik abzurunden brachte der Nürnberger den 61er zu seinem Clubkollegen Olli. Das lange Dach bettelte förmlich nach einer entsprechenden Candy-/Metalflakelackierung. Nach einer zweitägigen Besprechung war das Design klar: Candygrüne Lacepaintmuster wurden über einen goldenen Basislack aufgetragen. In der vierwöchigen Arbeit fanden insgesamt ein halbes Kilo Flakes und 20 Liter Klarlack den Weg durch die Lackierpistole – und das Ergebnis kann sich sehen lassen! So erhielt Flocki auf der Kustom Kulture Forever in Herten den Best Paint Award. Der untere Teil der Karosserie verbleibt hingegen im hellgrünen Originalfarbton.

Weitere Umbauten sind nicht geplant – die Form ist einfach zu perfekt. Ganz seltene Töne von Flocki, der bereits vor 15 Jahren mit dem Customizen begann. Den Anfang machte er mit einem 58er Ford 2-door Sedan, dem er zum ersten Mal eine Airride verpasste. Damals gab es in Deutschland keine fertigen Kits zu kaufen, so Griff er auf Teile aus dem Wohnwagen- und LKW-Bereich zurück. Der darauffolgende 54er Bel Air ist wohl einigen unter uns bekannt: Flocki choppte und channelte den Chevy und fuhr damit jahrelang durch ganz Europa. Auf das Customizen muss Flocki auch weiterhin nicht verzichten. So befinden sich derzeit neben den zwei 61ern noch ein 68er Impala Coupé sowie ein 38er und ein 47er Ford Coupé in seinem Besitz. Genug um sich auszutoben. Von einigen seiner Schmuckstücke würde sich der Nürnberger im Übrigen auch trennen. Wer also auf der Suche nach einem der genannten Modelle ist, sollte sich mit dem Flakers C.C. in Verbindung setzen. 

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