Kustom Life Magazine #15

Kustom Life Magazine #15

Erscheint am 30.01.2018
1931 Opel Hot Rod
1964 Triumph Moon Machine
Howard Gribble Lowrider History

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THE COFFEE SHOP TRUCK - 1934 FORD HOT ROD

Ian liebt Kaffee. Er findet Kaffee sogar so toll, dass er in einigen Jahren seinen eigenen Coffee-Shop aufmachen möchte – mit seinem eigenen, selber gerösteten Kaffee. Und Ian steht auf Hot Rods. Was liegt also näher, als die beiden Leidenschaften zu verbinden? Vor allem wenn man bedenkt, dass er ja einen auffälligen Lieferwagen braucht, um seinen künftigen Coffee-Shop ordentlich zu promoten. Genau diese Idee trug Ian schon eine ganze Weile mit sich herum. Da er die vergangenen Jahre vor allem mit Surftrips rund um den Globus zugebracht hatte, blieb ihm viel Zeit, den Gedanken reifen zu lassen – wie einen guten Kaffee. „Ich wusste exakt, wie mein Coffee-Truck aussehen würde. Auf den langen Reisen habe ich ihn schon mindestens hundert Mal gebaut.“ Wieder zurück in seiner Heimatstadt San Clemente war ihm schnell klar, was er zu tun hatte, als auf Craigslist die folgenden Teile angeboten wurden: ein originales 1934 Ford Truck-Führerhaus und die dazu passende Pritsche. Noch am gleichen Tag standen die beiden Fragmente vor Ians Wohnung.

Obwohl Ian erst 29 Jahre alt ist, war der Truck bei weitem nicht sein erstes Projekt. Rund dreizehn Hot Rods hat er bis heute von Grund auf gebaut. Eines seiner Autos brachte es dank Reality-TV sogar zu bedeutendem Ansehen: „Irgendwie war ein alter Hot Rod von mir bei den Jungs von Gasmonkey Garage gelandet, die dann behaupteten, sie hätten das Teil gebaut. Nach einem kleinen Aufruhr im HAMB-Forum mussten sie dann aber kleinbeigeben: Well... a kid from San Clemente built this car.“ Natürlich bekam Ian das Autobauen nicht in die Wiege gelegt. Seine Schweißkünste brachte er sich mit dem Bau von Go-Karts und Mini-Bikes selber bei. „Naja, ich versuchte es zumindest. Mit furchterregenden Schweißnähten, die aussahen wie Vogelkacke.“ Endlich den Führerschein in der Tasche, verlegte sich Ian dann auf das Umbauen von Autos. „Den größten Einfluss bekam ich von Sammy Vildosola. Er brachte mir alle Grundkenntnisse bei und arbeitet noch heute im Alter von 75 Jahren härter und schneller als ich!“

Doch zurück zu Ians neustem Projekt. Wie die meisten seiner vorangegangenen Hot Rods, sollte der Truck extrem tief werden – bei dennoch ausgewogenen Proportionen. Rat Rods im Cartoon-Look sind nicht sein Ding und so wurde alles ein wenig komplizierter. Wohl nicht zuletzt deshalb, weil Ian selbst 1,93 Meter groß ist. Klassisches Channeln viel da schon mal flach, denn in Kombination mit der gechoppten 34er Truck-Kabine hätte Ian schlicht nicht mehr hinter das Steuer gepasst. Seine Lösung: ein Rohrrahmen mit integriertem Überrollkäfig. Auf diese Weise gewann Ian den nötigen Bewegungsspielraum und – klingt komisch, ist aber so – es sitzt sich sogar recht bequem in der knapp geschnittenen Kabine, wie der Autor selber erfahren durfte. Einziger Nachteil zum Zeitpunkt des Fotoshootings war der fehlende Boden. Und so hieß es „Beine hoch“ auf der flotten Fahrt über den kalifornischen Freeway – kostenloses Bauchmuskeltraining inklusive.

Nachdem Ian die Einbaulage der Kabine festgelegt hatte, begann er von dort aus den Rahmen anzubauen. Oder das, was nach Rahmen aussieht. Denn die verchromten und gelochten Rahmenelemente hinter den Vorderrädern sind lediglich Attrappen, für Stabilität sorgt alleine der Rohrrahmen. Ähnlich ungewöhnlich ist die Vorderachse, die nicht nur geknickt und gedroppt ist, sondern von oben betrachtet sogar der Form der Kühlermaske folgt. Auf diese Weise gelang es Ian, so nah wie möglich am originalen Radstand zu bleiben. Alles, was er dafür brauchte, waren zwei Achsen „und jede Menge Hitze vom Schweißbrenner“, wie er präzisiert. Zufälliger Nebeneffekt: Die Vorderachse dient nun auch als Stoßstange. Was wir nicht unbedingt ausprobieren möchten...

Doch Ian wusste, was er tat. Und er durfte dabei auf fachmännische Unterstützung zählen, denn für den Aufbau des Trucks gewährten ihm Roy Simonson und sein Sohn Eric in ihrer Werkstatt Asyl. Als Ingenieur und Designer von Fitnessgeräten lieferte Roy viele wertvolle – und womöglich lebensrettende – Tipps, wenn es darum ging, Ians Truck straßentauglich und verkehrssicher zu machen. „Ich hatte außerdem nicht mal eine eigene Garage für dieses Projekt“, erzählt Ian. Also zog er von Tür zu Tür auf der Suche nach einem passenden Hallenplatz und landete schließlich bei Roy und Eric, beides begnadete Hot-Rod-Builder. „Ein absoluter Glücksfall für mich“, schwärmt Ian. „Und dazu sind die beiden die nettesten Menschen, die man sich vorstellen kann.“

Und es machte durchaus Sinn, die ganze Konstruktion sauber durchzudenken und umzusetzen. Denn Ian hatte Großes vor: „Ich wollte unbedingt die Power eines Nailhead-V8. Leider ist dieser legendäre Motor nicht ganz einfach zu nden.“ Aber Ian hatte Glück, obwohl er für sein Traum-Triebwerk gleich einen ganzen 64er Buick Electra kaufen musste, der in Phoenix im Bundesstaat Arizona stand. Der Aufwand hat sich gelohnt: „Der Motor liefert weit mehr Drehmoment, als ich je brauchen würde, und er macht einfach unheimlich Spaß!“ Dazu trägt sicherlich das handgeschaltete 4-Gang Muncie-Getriebe bei, das ursprünglich in einem 69er Camaro gesteckt hatte. Einzige Spaßbremse im Ensemble ist gegenwärtig noch die Hinterachse, die sich während des Fototermins zum dritten Mal in Folge verabschiedete. Besserung ist in Sicht: Ian hat mittlerweile eine neue, verstärkte Hinterachse eingebaut.

Überraschend gelassen auf die immense Kraft reagierten die fast schon ligranen 21 Zoll Räder eines Ford A. Ian hatte vorgesorgt und in die hinteren Felgen zusätzliche Speichen aus 3/8 Zoll dickem Stahl eingeschweißt. „Fast jeder, der den Aufbau meines Autos mitverfolgte, mäkelte an den Rädern herum und malte den Teufel an die Wand: Die Speichen würden brechen, sobald ich das erste Mal Gas gebe und so weiter. Bla bla bla. Heute darf ich stolz verkünden: Dieser Truck ist eine wahre Burnout-Maschine! Und die Räder halten. Punkt.“

Fast alle Arbeiten an seinem Hot Rod führte Ian selbst durch. Nur die Karosseriearbeiten und die Lackierung traute er sich selber nicht zu und brachte den Truck dafür nach Mexiko zu Miguel Torres, einem Mitglied der Lifters. „Einer von Miguels Jungs ist ein wahrer Blechkünstler. Dank ihm befindet sich kaum ein Gramm Spachtel auf dem ganzen Truck.“ Für den krönenden Abschluss sorgte Miguel selber mit der makellosen Lackierung in Burgunderrot. „Dass dieses Auto so schön wurde, ist zu einem großen Teil der Verdienst von Miguel. Ich bin mit dem Ergebnis echt überglücklich“, freut sich Ian. Wir finden allerdings, dass auch Ian einen großartigen Job geleistet hat und sich mehr als nur eine Kaffeepause verdient hat. 

 

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