Kustom Life Magazine #15

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Erscheint am 30.01.2018
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EL FLAMINGO LOCO - 1963 BUICK LESABRE

Wer sich 1963 einen Buick leisten wollte, musste etwas tiefer in die Tasche greifen als für einen vergleichbaren Chevy oder Pontiac. Das günstigste Buick Full-Size-Modell war seit 1959 der LeSabre, erhältich in allen Karosserievarianten vom einfachen viertürigen Sedan bis hin zum zweitürigen Convertible. Der zweitürige Sedan war als Full-Size-Modell nur als LeSabre erhältlich und verkaufte sich lediglich 8328 Mal. Die teureren Wildcats, Invictas und Electra 225s kamen gänzlich ohne diese Karosserievariante aus.

Nur sehr selten findet man einen zweitürigen LeSabre Sedan in unseren Breitengraden. Umso mehr war ich überrascht, eben einen solchen 2011 im deutschsprachigen eBay zu finden. Unscheinbare Optik, patinierter Originalzustand – kurz mit dem Verkäufer verhandelt, denn der Preis war mehr als in Ordnung. Doch ich entschied mich gegen den Kauf, da ich eigentlich einen Chevy von 1961-1964 gesucht hatte. Nur wenige Tage später hat sich Oli vom Flakers C.C. nach einem neuen Projekt erkundigt: „Hat wer was aus den frühen 60ern zu einem vernünftigen Kurs anzubieten?“ Ich gab ihm den Tipp mit dem 63er LeSabre und kurz darauf stand der Wagen schon im Frankenland.

Der Umbau für die 2012er Saison begann im September. Als Erstes zerlegte Oli den Buick komplett mitsamt dem 401cui Nailhead V8. Bei diesem wurden die Wasserkanäle gereinigt, alles auf Simmerringe umgebaut und neu abgedichtet, der Kühler bedurfte einer gründlichen Reinigung und zahlreiche Lecks wurden abgedichtet. Um dem Motor etwas mehr Leistung zu entlocken, wurde die originale Ansaugbrücke mit dem Rochester Zweifach-Vergaser gegen einen vierfach 600-Edelbrock Vergaser getauscht.

Weiter ging der wilde Ritt mit dem zerlegen der Karosserie. Diese stellte sich als sehr solide heraus, lediglich zwei kleine Rostlöcher hatten sich in den 50 Jahren in den Buick gefressen. Um dem LeSabre das nötige Kustom-Treatment angedeihen zu lassen, wurden zuerst die Türgriffe umgebaut. Die originalen, standardmäßig eingebauten GM-Griffe mussten Push-Buttons weichen. Hierfür fertigte Oli Messingdrehteile für die Führung der Druckknöpfe an. Die Führungsbuchsen wurden in die Tür eingelötet und die aus V2A hergestellten Druckknöpfe so eingepasst, dass sie sauber mit der Außenhaut der Tür abschließen. Durch den minimalen Spalt zwischen Knopf und Tür sind die Push-Buttons kaum sichtbar.

Da originale Autos bekanntermaßen mit der falschen Fahrhöhe ausgeliefert werden, ersetzte Oli das Fahrwerk durch eine Airride: Die Spiralfedern wurden durch Standardbags ersetzt, welche über eine Accuair-Steuereinheit bedient werden. Dies ermöglicht eine verbesserte Niveauregulierung , die den Wagen auch voll beladen tief am Boden fahren lässt. Nachdem die Karosse noch entbeult und auf den Boden gelegt wurde, ging es in die Lackierbox. Die erste Version des 63ers war damals noch blau. Doch schon bald war klar, der Buick musste noch einmal unter das Schweißgerät. Die Tieferlegung alleine wollte nicht recht wirken und die Proportionen von Dach und Seitenfläche sah nicht stimmig aus. Die zweitürigen Sedans haben eine höhere Dachlinie als die zweitürigen Hardtop Coupés. Um dies zu korrigieren, entschloss sich Oli, die Karosse nach unten hin zu verlängern.

Zehn verschiedene Formen waren nötig, um die richtige Optik zu finden. Schlussendlich wurde die Radlaufkante verlängert. Sie zieht sich jetzt durch die Schweller über die ganze Länge des LeSabre. Das Schwellerprofil hat Oli mit seinem Kumpel Fischli selbst gebaut. Dafür mussten sie zwei Spezialrollen für die Sickenmaschine drehen. Die Blechstreifen wurden durchgerollt und anschließend abgekantet. Um die nötige Stabilität zu erreichen, wurden die Schweller mit einem Vierkantrohr verstärkt. Da die Front des 63ers von Haus aus eher schlicht und unspektakulär in Erscheinung tritt, wurde auch hier kräftig Hand angelegt. Die vordere Stoßstange wurde um 60 mm tiefergesetzt, die Kotflügel angepasst und der Kühlergrill von Olis Kumpel Tobi gebaut. Zudem wurden die originalen Doppelscheinwerfer durch Einzelscheinwerfer vom Golf und Lampenringe vom Käfer ersetzt. Wenn das Ergebnis stimmt, ist dem kreativen Kustomizing keine Grenze gesetzt! Um der Optik den letzten Schliff zu verpassen, wurde die Motorhaube verlängert. Hierfür kam ein weiteres Schwellerprofil zum Einsatz, welches auf den Kopf gedreht angeschweißt wurde. Seitdem verläuft die Sicke von der Tür über die Kotflügel zur Motorhaube und bildet einen sauberen Abschluss. Im Zuge dieser Schweißorgie wurde auch gleich die Finne auf der Haube entfernt. Nach den umfangreichen Karosseriearbeiten ging es daran, ein neues Lackkonzept für den LeSabre zu entwickeln.

Das Dach zierte schon bei der ersten Version eine stilisierte japanische Sonne in Candy-rot. Diese wurde noch einmal neu lackiert – wieder Candy-rot, aber dieses Mal mit roten Flakes. Das bestehende grün an den C-Säulen verschwand zu einem großen Teil, lediglich ein paar eingepasste Streifen sind erhalten geblieben. Um die einzelnen Felder der Sonne neu zu gestalten, haben sich Oli und sein Kumpel Chris für jedes Feld ein anderes Muster einfallen lassen: Endless Lane, Labyrinth, Bubbles, Flaked, Wassertropfen usw.

Die Karosserie selbst sollte nach dem Blau eigentlich pink werden mit lila Panels. Diese Idee wurde jedoch wieder verworfen, da sie zu schlicht und zu langweilig erschien. Da Oli den Japanstyle auch weiter durchziehen wollte, musste es etwas Abgefahreneres werden. Nachdem sämtliche Farbkombis durchgegangen waren, war immer noch kein Entschluss gefasst. Eine dritte Meinung wurde eingeholt: Olis Lackdealer nahm sich ausgiebig Zeit und beriet ihn von 9 Uhr morgens bis weit nach Ladenschluss. Das Ergebnis: Der LeSabre sollte pink, weiß und grün werden. Also alles nötige eingepackt und ab ging es in die Kabine. Die Basis bildete das Pink, dies wurde sogleich wieder angeschliffen und die Panels abgeklebt. Das Abkleben alleine dauerte zu dritt ein komplettes Wochenende. Danach wurde der weiße Lack aufgetragen und das Grün in die Panels hineingefadet. Olis Freund Chris linierte die Ränder der Panels freihändig und pinstripte die Motorhaube und den Kofferraumdeckel. Zum Finale wurde die Karosse noch einmal angeschliffen und die letzte Schicht Klarlack aufgetragen.

Um die Innenausstattung an das Äußere anzupassen, wurde die Sitzbank weiter nach hinten gesetzt, die Sitze neu abgepolstert und die gesamte Innenausstattung mit silberweißem Flakevinyl bezogen. Die Keder sind aus grünem Flakevinyl und umranden die Sitzflächen. Der Himmel, der Spiegel und die Seitenverkleidungen wurden genauso abgenäht wie die Sitze, d.h. der Keder am Sitz verläuft in einer Linie mit dem Keder am Himmel. Die Verkleidungen der Säulen wurden silber geflaked, das Amaturenbrett in grünem Metalflake lackiert. Der knallgrüne Teppich wurde passend dazu in weißem und grünem Flakevinyl eingefasst. Das originale 1963er Buick LeSabre-Lenkrad wurde durch ein passendes Metalflake-Lenkrad von Mooneyes ersetzt.

Den Abschluss der Umbauarbeiten machten die 67er Buick Skylark-Felgen. Diese waren in schlechtem Zustand und wurden in stundenlanger Arbeit wieder auf Hochglanz gebracht, das Center dabei in pinkem Metalflake lackiert.

So gewappnet machte sich Oli mit dem 63er auf den Weg zu diversen Shows, unter anderem der US-Car Show in Geiselwind und der Kustom Kulture Forever in Herten. Auf Achse versteht sich!

Für 2014 sind weitere Umbauarbeiten geplant – ein echter Kustom ist eben nie wirklich fertig! Wir sind gespannt und werden euch auf dem Laufenden halten.

TECHNISCHE DATEN

Modell: 1963 Buick LeSabre 2-door Sedan

Motor: Buick Nailhead, 401cui V8
Bohrung & Hub: 4.188 x 3.64 Zoll
Kompressionsrate: 10.25:1
Hydraulische Ventile
5 Hauptlager

Ansaugbrücke: Buick 4-barrel

Vergaser: Edelbrock 600 cfm

Fahrwerk: Airride mit Accuair-Steuerung

Felgen: 1967 Buick Skylark

Kühlergrill: Eigenbau

Scheinwerfer: VW Golf

Lampenringe: VW Käfer

Innenausstattung: Silbernes Metalflake Vinyl mit grünen Metalflake Vinyl Kedern

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