Kustom Life Magazine #15

Kustom Life Magazine #15

Erscheint am 30.01.2018
1931 Opel Hot Rod
1964 Triumph Moon Machine
Howard Gribble Lowrider History

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BROWN SUGAR - 1931 CHEVROLET HOT ROD

Wer an Hot Rods denkt, denkt in erster Linie an Klassiker wie das Ford Model A. In der Tat wurden und werden in den meisten Fällen Fords als Basis für Hot Rod-Projekte genutzt. Das erstaunliche daran: an den Verkaufszahlen liegt das eigentlich nicht. So verkaufte im Jahr 1931 Chevrolet fast 40000 Neuwägen mehr als Ford.

Für Klaus war es ein anderer Gesichtspunkt, der ihn weg vom Ford und hin zum Chevy als Basis brachte: die Karosserien wirken einfach besser verarbeitet. So machte sich der Münchener im Jahr 2005 auf die Suche nach einem passenden Fahrzeug und wurde kurz darauf auf der S.I.N.S. (Scrapers Indoor Car Show) in Antwerpen fündig. Richard von den Dead End Bombers brachte ein schwarzers 1931er Chevy 3-Window Coupé auf einem 1930er Ford Model A-Rahmen mit auf die Show. Schon kurz darauf stand der Entschluss - der Wagen muss her. Geld, Zigaretten und einen Leatherman für die erste Hilfe eingepackt und mit dem Zug ab in den Norden. Der Deal war perfekt und Klaus fuhr den Wagen voller Enthusiasmus zurück in Richtung Süden. Doch auf Höhe von Aschaffenburg ging nichts mehr. Der damals noch von einem 500er Edelbrock Vergaser beatmete 327er aus einem Opel Diplomat machte keinen Mucks mehr. Da am selben Wochenende in der Nähe von Nürnberg das legendäre Wild Wild Grilling des Haters Car Clubs stattfand, beschloss Klaus den ADAC davon zu überzeugen den Hot Rod bist dorthin zu bringen. Gesagt getan. Dort angekommen, stürmte schon ein Ersthelfer in Form von Baumi (Hep Demons C.C.) herbei und tauschte das Bier gegen den Schraubenschlüssel. Schnell war klar, der 31er hatte ein Problem mit der Kühlung und der Benzinpumpe und konnte nur notdürftig geflickt werden. Dies reichte jedoch, um den Wagen am nächsten Tag die letzten 200km nach München auf eigener Achse zu überführen. Dort angekommen, wurder der Kühler gereinigt und eine neue Benzinpumpe eingebaut. Die Saison 2005 war vorerst gerettet. So ging es in diesem Jahr noch zur Bottrop Kustom Kulture und im herbst zum headbanging nach Finsterwalde. Doch schon wenige Tage darauf begann die 4-jährige Odyssee des Umbaus.

Der Plan stand fest: Eine neue Lackierung musste her. Die Entlackung des Chevys fand in Landshut in der Werkstatt eines Freundes statt und brachte nichts Gutes zu Tage: Die Karosserie war an allen Ecken und Enden gespachtelt und gezinnt. Mit einem einfachen Lackaufbau war dem 31er nicht geholfen. Zum Glück stand das Coupé schon direkt bei einem wahren Blechmeister. Die komplette Karosserie wurde neu aufgebaut, außen wie innen. Außen wurden marode Bleche neu geformt und verbaut. Innen wurde das die Karosserie stabilisierende aber morsche Holz entfernt und durch maßgearbeitetes Blech ersetzt. Dies brachte dem 31er ganz nebenbei auch noch eine erhöhte Verwindungssteifigkeit. Doch bei der reinen Restaurierung wollte es Klaus nicht belassen: „Ich wollte einen Rod im Look der frühen 60er Jahre. Dabei war mir wichtig, dass der Rod fahrbar ist, denn ich wollte damit auf Treffen in ganz Europa fahren – auf Achse, ohne Trailer!“ Um den nötigen Look und den Komfort zu vereinen, wurde anhand der bereits vorhandenen 66er Buick Bucket Seats die richtige Sitzposition ermittelt. Daraus ergab sich, dass die Ka- rosserie um 12cm gechannelt aber nicht gechoppt wurde. Um dem Boden näher zu kommen, wurde der komplette Rahmen überarbeitet und hinten gekröpft. Vorne wurde eine Dropped I-Beam Vorderachse anstatt der bisherigen Tube Achse verbaut. Eine Chevy Caprice Hinterachse mit gekürzten, längs verbauten Blattfedern verrichtet ihren Dienst am Heck.

Während die Karosserie- und Rahmenarbeiten in vollem Gange waren, machte sich Klaus daran, weitere Teile für den Umbau zu besorgen. Der Wagen sollte genau seinen Vorstellungen entsprechen. So fand er unter anderem die lange gesuchten 48er Hudson Rücklichter und BLC Scheinwerfer von einem Ford Truck. Das originale 31er Armaturenbrett wurde, ganz im Stil der 60ies Kustom Rods, durch ein Pendant aus einem 1959er Oldsmobile ersetzt. Das Lenkrad stammt aus einem 1960er Cadillac, die gefinnten Bremstrommeln von einem 1958er Buick. Um die optische Erscheinung stimmiger zu gestalten, wurde der 38er Ford Truck-Grill durch einen Model A-Grill ersetzt.

Die Innenausstattung wurde in München komplett handgefertigt. Farblich orientierte sich der Sattler dabei an den sehr gut erhaltenen Buick Bucket Seats, welche nur penibel gesäubert und neu aufgepolstert wurden. So erstrahlt der Innenraum jetzt in einem sehr gut zur Außenfarbe passenden hellen beige. Das Oldsmobile Armaturenbrett wurde gekürzt und in Wagenfarbe lackiert.

Abseits der optischen Maßnahmen erfuhr Antriebsstrang eine erste Überholung. Neue Kolben, Aluköpfe, gefinnte Edelbrock Ventildeckel und eine 6-fach Offenhauseer Ansaugbrücke mit Holley-Vergasern verfeinerten den 327er Small Block. Sanderson Fächerkrümmer sorgen bei Bedarf für den nötigen Sound - regulär verläuft die Auspuffanlage jedoch unter der Karosserie. Die Pedalerie und der Tank wurden von Freunden maßgefertigt und an den 31er angepasst.

Nachdem alles neu aufgebaut und angepasst wurde gingen Rahmen und Karosse zum lackieren. Die Wahl der Farbe fiel auf ein Maroon.braun aus dem Hause Glasorit. Um den 60ies Look zu unterstreichen wurden Scallops in goldenem Metalflake mit elfenbeinfarbenen Outlines aufgetragen. Auch die Firewall und die hinteren Radhäuser erhielten diese Optik. 

Der Zusammenbau des Chevies erfolgte schließlich im Winter 2008/2009 im nahegelegenen essenbach bei Food Creek Kustoms. Dabei wurden möglichst viele vorhandene Originalteile, wie z.B. die Zierleisten oder die Fensterrahmen aufgearbeitet: "Mir war es wichtig, soviel wie möglich von der Originalsubstanz zu erhalten, um einen überrestaurierten Look zu vermeiden." So gewappnet, konnte es auf die erste Show gehen - das einzige Mal auf einem Trailer, da die Bremsen noch nicht eingestellt waren. Zudem fand die Show im verschneiten Winterthur statt. Der erste Auftritt des Rods wurde auch gleich mit dem ersten Platz für "Best of Show" belohnt. Doch was gut begann, endete bei der Heimreise in einem Fiasko. Beim Abladen machte sich der Chevy dank eines hängenden Gaszugs und den noch nicht eingestellten Bremsen selbstständig und fuhr mit voller Wucht rückwärts gegen die Wand. Die 48er Hudson Rücklichter mussten erneut gefunden werden, die Karosserie neu ausgerichtet und komplett neu lackiert werden. In diesem Zug wurde die nur sehr schwer einstellbare 6-Vergaser Ansaugbrücke durch eine 3-Vergaser Ansaugbrücke ersetzt.

Nachdem der Schaden behoben war, begann die Zeit der großen Reisen. Klaus fuhr den komfortablen Rod problemlos quer durch Europa, zum Beispiel zum Hot Rod Hayride nach England oder zur Jokers Car & Bikeshow nach Schweden. Im folgenden Jahr wurde der Motor bei Frankies Garage komplett überholt und auf einen 383er gestroket. Das Getriebe wurde im Zuge dessen ebenfalls überholt und verstärkt. Da Klaus in der Zwischenzeit Vater wurde und das passende Familienprojekt in Form eines 1961er Buick Electra 225 Convertible bereits in Arbeit war, spielte er mit dem Gedanken, den Rod abzugeben. Seinen letzten Auftritt hatte er bisher auf der Kustom Shakedown Show im Herbst 2013 in der Schweiz. Dort fiel auch dem jetzigen Besitzer der Wagen auf. Nur ein paar Wochen später waren sich Klaus und der Eidgenosse einig – der 31er Chevy ging in die Schweiz. Inzwischen ist auch sein 61er Buick fertig gestellt – somit ist der Verlust zu verkraften. 

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