Kustom Life Magazine #15

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Erscheint am 30.01.2018
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BELLFLOWER BEACH - 1956 CHEVROLET NOMAD

Kalifornien gilt noch immer als gelobtes Land in Sachen Kustom Cars. Trotzdem macht sich bei vielen Enttäuschung breit, wenn sie zum ersten Mal das Bild sehen, das sich ihnen auf den Highways bietet: silberne Toyotas und weiße Nissans so weit das Auge reicht. Doch man kann auch Glück haben ...

Es war ein durchschnittlich spannender Urlaubstag im April. Wir cruisten gerade mit unserem Mietwagen – so gut es sich mit vier Zylindern eben cruisen lässt – durch das Zentrum von San Clemente, einer hübschen Kleinstadt zwischen Los Angeles und San Diego. Neben den üblichen VW-Campern gab es nicht viel zu sehen, was für Abwechslung im farblosen Brei aus japanischen Plastikautos gesorgt hätte. Doch dann an der Ampel plötzlich: Hey, da ist was mit Chrom dran! Und als wir näher kommen, sehen wir tatsächlich einen Chevy Kombi, geil! Da springt auch schon die Ampel auf Grün und der Kombi biegt links ab. Zwischen uns und dem Chevy blockiert uns leider blöder Gegenverkehr den Weg. Immerhin erkenne ich gerade noch, dass es ein tiefer 56er Nomad auf Astro Supremes war. Mit Betonung auf „war“, denn den coolen Kombi hatten wir nun de nitiv aus dem Blick verloren. Mist aber auch!

Beim Mittagessen fiel mir ein, dass ich am Vortag in einer Seitenstraße einen tiefen 60er El Camino entdeckt hatte. Mein Instinkt sagte mir: Die Welt ist klein und wer weiß... Also hingefahren und siehe da: Der El Camino stand immer noch vor dem gleichen Haus. Und in der Einfahrt: der 56er Nomad von der Ampel! Der Besitzer pulte gerade ein paar Fliegen vom Lack und stellte sich uns mit Jim vor. Der El Camino sei sein Alltagswagen und den Nomad hatte er soeben fertiggestellt. Ich fragte ihn, ob er Lust auf ein Fotoshooting mit dem Nomad hätte. Seine Antwort seht ihr auf diesen Seiten.

Jim Kimbrough, so sein voller Name, ist Feuerwehrmann und wuchs buchstäblich mit Nomads auf. „Mein Vater war ein Autofreak und stand vor allem auf Chevy Nomads. Während meiner Kindheit besaß er einen 55er und einen 57er Nomad.“ Noch heute erinnert sich Jim, wie gerne er damals in der Nähe dieser Autos war und wie er es mochte, darin mitzufahren. Als er älter wurde, gingen die verschiedensten Fahrzeuge durch seine Hände, allerdings nie ein Nomad. „Ich hatte einen 56er Chevy Wagon als Alltagskarre, doch der war halt nur ein Viertürer. Aber wie alle meine Autos legte ich ihn ordentlich tiefer und so sah er trotzdem recht cool aus“, erzählt der Familienvater mit einem Grinsen.

Wie 99 Prozent aller Südkalifornier ist Jim leidenschaftlicher Surfer. Trotzdem zog er für mehrere Jahre in die gebirgige Big Bear Re- gion, 100 km nordöstlich von Los Angeles. Auch dort arbeitete er als Feuerwehrmann und wusste seine doch recht unregelmäßige Freizeit sinnvoll zu nutzen: „Wenn ich frei hatte, fuhr ich mit meinem Chevy Wagon die kleinen Seitenstraßen der Kleinstädte hoch und runter. Immer auf der Suche nach alten Autos!“ An einem dieser gemütlichen Nachmittage erspähte Jim eine vertraute Silhouette: In einem Carport stand ein 56er Nomad unter einer Plane. „Ich hielt sofort an und stieg aus. Zu meinem Glück war der Besitzer sogar zu Hause. Es war wirklich ein 56er Nomad, der ihm seit über 20 Jahren gehörte. 

Doch verkaufen? Keine Chance.“ Jim ließ nicht locker. Über mehrere Monate kehrte er immer wieder zurück und nervte den Nomad-Besitzer. Doch der blieb stur. Dann eines Morgens gab es ein böses Erwachen: nicht für Jim, sondern für den armen Nomad. Unbekannte hatten das Heck des Chevys vollgesprayt und versucht, in den Wagen einzubrechen. Frustriert von diesem Zwischenfall erklärte sich der Besitzer endlich bereit, den lädierten Nomad an Jim zu verkaufen. „Oh Mann, ich konnte mein Glück kaum fassen“, lacht Jim noch heute. Er wollte den Nomad so schnell wie möglich wieder auf die Straße bringen. Unter der Haube entdeckte er einen 327er V8, der leider mehr schlecht als recht auf sechs Zylindern lief. Das Getriebe – ein 4-Gang Muncie – hätte perfekt dazu gepasst, doch war es ebenfalls überholungsbedürftig. Heute könnte sich Jim die Haare raufen, dass er diese hinreißende Motor-/Getriebekombo rausschmiss. Doch damals musste es schnell gehen. Ein 350er Small Block mit TH350-Automatik war rasch zur Hand und so fuhr der Nomad schon nach wenigen Wochen wieder. „Der Lack bestand größtenteils aus roter Grundierung, doch mit schwarzen Stahlfelgen, Weißwandreifen und meiner obligaten Tieferlegung macht der Nomad schon richtig was her“, erinnert sich Jim.

Einige Jahre später zogen Jim und seine junge Familie wieder an die Küste nach San Clemente. Der Plan: den Nomad mit überschaubarem Aufwand restaurieren und in einen netten Family-Cruiser verwandeln. Jim, der nun bei der Feuerwehr in Long Beach arbeitete, durfte zu diesem Zweck die Werkstatt eines Freundes nutzen. Das Chassis wurde aufs blanke Blech gestrippt, frisch lackiert und mit einem Airride-System versehen. Richtig, ohne Tieferlegung läuft bei Jim nichts. Dann ging der Nomad zu Mike Doyle, einem erfahrenen Lehrer für Fahrzeuglackierung und Karosseriebau an der Fullerton Union High School. Und während Mike den Nomad in einem Custom-Mix aus VW Cyber Grün und Micro akes lackierte, kümmerte sich Jim um das Verchromen der Stoßstangen und Anbauteile.

Neu lackiert, mit glänzendem Chrom und tiefer denn je sah der Nomad sensationell aus. Doch die Wahl der Felgen stand noch aus. Und hierbei kann so einiges schiefgehen. Denn, wie der Amerikaner sagt: Wheels make or break a car. Dazu Jim: „Ich mag den simplen Look mit runtergekommenem Lack, Stahlfelgen und krasser Tieferlegung, doch – ehrlich gesagt – träumte ich schon immer von einem echten 60s Bellflower Cruiser.“ Die verchromten Astro Supremes waren damit die logische Wahl. Und sie stehen dem Nomad wirklich hervorragend. Weniger offensichtlich sind all die kleinen Änderungen und Verbesserungen, die Jim seinem Nomad während des Neuaufbaus angedeihen ließ. So verbrachte er unzählige Stunden damit, den Motorraum so sauber wie möglich zu verkabeln oder alle unnötigen Löcher zuzuschweißen. Mit glänzendem Resultat. „Zu glänzend“, wie Jim präzisiert. „Der Nomad ist leider viel zu schön geworden. Denn eigentlich wollte ich damit meine Kids zum Strand fahren.“ Und so steht der Nomad mittlerweile zum Verkauf und Jim hat wieder begonnen, die kleinen Seitenstraßen auf der Suche nach einem neuen Projekt zu durchforsten. 

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